Schlosspark-Freunde-Nymphenburg e.V.

  •  

  • BEWERTUNG

    Der Nymphenburger Schlosspark gilt als herausragendes Beispiel europäischer Gartenbaukunst, als hervorragende Arbeit Friedrich Ludwig von Sckells, dem hier in einzigartiger Weise die Zusammenführung von formaler und landschaftlicher Gartenkunst gelungen ist. Mode- und Kriegsbedingte Fehlentwicklungen wurden bis in die 1990er Jahre größtenteils wieder beseitigt, weitere strukturelle Missstände, etwa im Bereich der Wegeführung, werden angegangen. Dies gelang bisher allerdings nicht in den von Pflegerückständen dominierten Waldbeständen. In der Vergleichsfläche kommt der Strukturierung, Mischung und Verjüngung des Waldes sowie der Erhaltung alter Bäume und des Haines große Bedeutung zu.

    Die Bedeutung des Nymphenburger Schlossparks für den Naturschutz wird erkennbar mit der Überplanung und Klassifizierung verschiedenster Schutzkategorien bis hin zur Ausweisung als Bestandteil des europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000 (wegen des Vorkommens europaweit seltenster Arten). Der Erhaltung und Entwicklung als Trittstein für seltenste und stadtfremde Arten kommt große Bedeutung zu. Bei der Regierung von Oberbayern soll nach "Stadtratsbeschluss zur Ausweisung von Naturschutzgebieten im Bereich der Landeshauptstadt München" der Schlosspark Nymphenburg (landschaftlicher Teil) als NSG beantragt werden.

    Teile der Wälder des Schlossparks Nymphenburg sind als Relikte der hier vormals flächendeckenden und auf der Münchner Schotterebene nur noch in Relikten vorhandenen natürlichen Waldgesellschaften zu betrachten. Diese sollten wenigstens in den autochthonen Baum- und Straucharten-zusammensetzungen erhalten werden. Der Schlosspark Nymphenburg wird von Besuchern und Bürgern als unersetzliches Erholungsgebiet auf vielfältigste Weise genutzt und gewertet. Die Vergleichsfläche liegt in einem relativ stark begangenen Bereich des Parks und muss in Ihrem ruhigen, geschlossenen Eindruck erhalten bleiben.

  •  

    "Die Erhaltung einer historischen Parkanlagegemäß ihrer natürlichen Gestaltung kann aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege scheitern, wenn wichtige naturschützerische Belange, insbesondere des Artenschutzes, entgegenstehen"

    KOMMENTAR ZUM BUNDES-NATURSCHUTZGESETZ, 1994

  • KONFLIKTANALYSE

    Die Diskussion, die sich im Schlosspark Nymphenburg zwischen den Ansprüchen des Denkmalschutzes und besonders des Naturschutzes, aber auch den Wünschen der Bürger bereits in den 1960er Jahren zeigte, kann in der Literatur spätestens seit den 1980er Jahren regelmäßig verfolgt werden. Ob verwilderte formale Gärten oder sich entwickelnde Landschaftsgärten: Natürlichkeit und Natur stellen sich schnell ein, entsprechend der Umweltschutzgedanken seit den 1970er Jahren auch Schutzgedanken bezüglich der entstandenen Natur. Nach der einschlägigen Rechtsauffassung entsteht dann auch noch eine Vermischung der Zuständigkeiten der Rechtskreise Naturschutz und Denkmalschutz; die Frage nach naturschützerischen Belangen oder konservativem Arten- und Biotopschutz.

    Anbetrachts der Meinungen interessierter oder engagierter Bürger schließlich muss man schon von einem realen Konfliktfeld ausgehen. Dabei resultiert die aktuelle Diskussion im Schlosspark Nymphenburg eher aus einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dessen Bewirtschaftung. Dies verdeutlichen eindrücklich die 3000 geleisteten Unterschriften ebenso wie die Präsenz des Themas in den Medien. Die SCHLOSSPARK-FREUNDE-NYMPHENBURG E.V. widmen sich sowohl den emotionalen als auch den fachlichen Komponenten des Konfliktes, den es zum Wohl des Schlossparkes Nymphenburg zu lösen gilt.

  • "Der Axt ist es ein leichtes,
    in einem Tage ein Werk zu vernichten,
    für dessen Hervorbringung
    die Natur ein ganzes Jahrhundert bedurfte."

    FRIEDRICH LUDWIG VON SCKELL, 1825

  • Neben bereits vorzuweisenden Erfolgen fachlicher Unterstützung und Zusammenarbeit mit der BSV (Kanalverbauung, Wiesenpflege) soll die Vergleichsfläche der schwierigsten Aufgabe im Schlosspark dienen: der langfristigen Entwicklung des Waldes. Letztlich eine Generationenaufgabe, ist es doch, wie der Blick auf das Alter der Bäume und in die Vergangenheit seit Sckell lehrt, auch mit einer ausgezeichneten Planung nicht getan.

    Das Konfliktfeld besteht aus den Ansprüchen von Denkmalschutz (Rückführung auf Sckell`sche Planung), Naturschutz (Natura 2000 und andere Schutzkategorien), vielfältigen Bürgerwünschen und schließlich der Verwaltung (Personal, Budget, Haftung). Dazu das durchzuführende waldbauliche Vorgehen, dass mit notwendiger Verjüngung und Strukturierung allen Ansprüchen gerecht werden soll.