Schlosspark-Freunde-Nymphenburg e.V.

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    "Die Fähigkeiten,
    natürliche Gärten zu erfinden,
    halten mit jenen der Ausführung
    gleiche Schritte und setzen
    die selben Geschicklichkeiten voraus."

    FRIEDRICH LUDWIG VON SCKELL, 1825

    FRIEDRICH LUDWIG VON SCKELL, 1825
  • EINLEITUNG

    Nebenstehendes Urteil zur Planungsumsetzung formulierte Sckell 1825 in seinen Beyträgen zur Gartenkunst. Dies hat sich bereits in den folgenden Jahrzehnten bewahrheitet, 1888 fordert H. Jäger: "Als ein gutes Mittel, die künftige Ausbildung der Anlagen im Sinne des Planers zu sichern, auch nachdem derselbe vom Schauplatz abgetreten, betrachte ich eine Art Testament, eine schriftliche Verfügung über die hauptsächlichen Pflanzungen, wie diese in Zukunft gehalten und durch die Axt verändert werden sollen."

    Künstlerische Ideen in die Zukunft zu projizieren oder Reaktionsszenarien eines Künstlers in geänderter Umwelt zu entwickeln, kann dem Anspruch einer gesicherten Prognose nicht gerecht werden. Dies wird regelmäßig auf Vermutungen basieren und sich an den gegebenen Umständen (Zeitgeist, Mode, Kosten) orientieren.

    Die von Sckell ausgeführte Gartenkunst gar in starre Regeln einer Bewirtschaftung einzufassen, scheitert bereits im Ansatz: Es liegen kaum eindeutig von Sckell gezeichnete Unterlagen vor; geschweige denn seine Erläuterungen dazu. Es besteht immer wieder die Unsicherheit, ob ein (Sckell zugeschriebener) vorliegender Plan nun eine Planung im eigentlichen Sinne, oder einen status-quo oder auch nur einen Entwurf darstellt. Planungs-, Bestandes-, oder Pflegepläne müssen in Art, Sinn und Zeit letztlich zugeordnet werden. Deutlich wird dies in Nymphenburg an der Entwicklung der Waldsäume in den verschiedenen Plänen.

    Aber auch bei den im Karree gezeichneten Pyramidenbäumen (Eiche oder Pappel?) im Blutenburger Durchblick: es ist nicht vorstellbar, dass Sckell seine harmonische Talkomposition durch Symmetrie zerstören wollte (Pyramideneichen sind an dieser Stelle nicht nachgewiesen; die von der Gärtenverwaltung immer wieder teuerst nachgepflanzten Pyramidenpappeln verdeutlichen mit ihrem jämmerlichen Zustand selbst dem Laien ihr Unwohlsein.).

    Besondere Schwierigkeiten treten naturgemäß bei Rückführungen auf den vermeintlich richtigen historischen Zustand unter heute geänderten ökologischen und sozialen Bedingungen auf. Planungsgrundlagen für Gegenwart und überschaubare Zukunft sollten daher erst mit den Beteiligten diskutiert und einvernehmlich zusammengefasst werden.

    In der Literatur wird dieses Problem zumindest außerhalb Nymphenburgs unter dem Begriff des Parkpflegewerks und den einhergehenden Schwierigkeiten diskutiert. Eine Diskussion, die sicher auch in Nymphenburg zu führen ist (wie im Kolloquium auf Einladung des Staatsministers Faltlhauser im März 1999 begonnen). 

  • "Der neue Gartenkünstler muss neue
    Natur in dichterischen und malerischen 
    Bildern erfinden, der schönsten Natur
    so ähnlich und getreu wie möglich hat
     der Künstler Hügel und Thäler, Bäche
    und Seen, Wasserfälle, Inseln, Haine
    und Gebüsche zu erschaffen."

    FRIEDRICH LUDWIG VON SCKELL, 1818

    "Es widerstrebt Mir
    und ist eines der 
    unangenehmsten Dinge für Mich,
    wenn Bäume, sey`s auch,
    daß sie krank und schon 
    teilweise abgestorben,
    schonungslos niedergemacht werden.
    Dies soll meiner Hofgärten-Intendanz 
    künftig zur Richtschnur
    in derley Fällen dienen."

    LUDWIG I. KÖNIG VON BAYERN, 1840

  • Das grundsätzliche Problem eines nicht vorhandenen "Testaments" hängt sicher auch mit der Person Friedrich Ludwig Sckell selbst zusammen, der sich nach dem Studium der Gärten mit aufklärerischer Begeisterung mehr und mehr zu einem eigentlichen Künstler und Gartenphilosophen entwickelte. Deutlich wird dies bei der Betrachtung der Sckell`schen Methode, den Verlauf der Wege mit einer Stange "direkt in der Natur zu zeichnen" - Landschaft wird zum Gestaltungselement. Dies im Gegensatz zu den Landschaftsmalern des 18. Jahrhunderts jedoch durch direkte Aktion und damit im Sinne der (150 Jahre älteren) Land-Art als einer Form der Aktionskunst in der Moderne.

    Die Schwierigkeit der Pflege künstlich-natürlicher Sckell`scher Parks wird auch im Schloßpark Nymphenburg deutlich, der in den letzten 200 Jahren einige zum Teil wegen der jeweils vorherrschenden Gartenmode bedingte Änderungen erdulden musste, aber als Sommerresidenz des Hauses Wittelsbach auch Schutz erfahren durfte.Behutsamkeit und Stetigkeit sollten sicher die Hauptmerkmale der Pflege des historischen Parks Nymphenburg sein.

    Auf diesem Wege hätte man sicher dem Künstler Sckell in die Zukunft folgen können. Hier hatten sich in der Vergangenheit allerdings einige Irrwege eingeschlichen, besonders deutlich am Übergang der Wald- zu den Wiesenbereichen.

    Der Schlosspark Nymphenburg verfügt noch heute über eine in München seltene ursprüngliche Naturnähe. Die Strukturen der natürlichen Waldgesellschaften, in die der Park von Sckell eingefügt wurde, finden sich noch heute. Der Park ist damit ein Stück dynamischer Waldnatur. Er erhält und entwickelt eine Natürlichkeit, die heute zur europaweiten Bedeutung führt und eines entsprechenden Naturschutzes bedarf. Im Ballungsraum München ist der Schlosspark heute eine Oase der Ruhe und der Erholung. Er bewahrt unersetzliche Natur in der Stadt und hat bedeutende soziale Funktionen.

  • "Als Ausdruck der engen Beziehung
    zwischen Kultur und Natur,
    als eine Stätte der Erquickung,
    zur Meditation oder
    zum Träumen geeignet,
    fällt dem Garten
    der allumfassende Sinngehalt
    eines Idealbildes der Welt zu:
    Er ist ein Paradies."

    CHARTA VON FLORENZ, 1981

  • Schloss Nymphenburg steht schon seit Jahrhunderten im Blickpunkt nicht nur der lokalen Anwohner. In seiner Eigenart als Residenz des Hauses Wittelsbach wurde es zum Begriff, bis heute natürlich auch mit seiner architektonisch hervorragenden Wirkung der Schlossanlage mit Ehrenhof und Park.
    Gerade der Park wird von den Münchner Bürgern auf vielfältigste Weise regelmäßig für Erholung und Freizeitgestaltung, Naturbeobachtung und Genuss in Anspruch genommen. Die Besucher entwickeln einen eigenen Blickwinkel für "ihren Park", fokussieren letztlich auch die Bedeutung des Parks auf eigene Bedürfnisse.

    Die Notwendigkeit von Denkmalschutz und Denkmalpflege hat sich in den letzten Jahrzehnten in Bayern durchgesetzt und muss kaum mehr diskutiert werden. Ähnliches gilt für die Bedeutung des Naturhaushaltes und den Naturschutz. Ein historischer, durch die gestaltete sowie die sich eigenständig entwickelnde Natur geprägter Park nimmt hier immer eine Zwischenstellung ein. Dies gilt umso mehr für einen Landschaftspark. Dem Schlosspark Nymphenburg werden dabei - zumindest außerhalb der barocken Anlage - von der Gesellschaft eher die Wertigkeiten des Naturraumes eingeräumt oder zugewiesen.

  • "Mäßige und häufige Eingriffe
    sind besser und billiger
    als gelegentliche und radikale."

    CHRISTIAN BAUER 1961

     

     

     

     

     

     

    "Alle Gefährdungen
    historischer Parks und Gärten
    entstehen aus mangelnder
    gesellschaftlicher Wertschätzung."

    KASPAR KLAFFKE, 1996

  • Diese einseitige Betrachtung führte bereits in den 1960er Jahren zu öffentlichen Auseinandersetzungen um die Art der Pflege. Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen hatte begonnen, dem "Wildwuchs" im Park zu begegnen und wegen der Intensität der Durchführung in der Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die Maßnahmen wurden dann sehr eingeschränkt fortgeführt, die zu erwartenden Probleme natürlichen Waldwachstums jedoch völliger außer acht gelassen. Wiederholt zeigt sich dies in der jüngeren Vergangenheit bis heute, da die BSV unter Berufung auf die Interpretation der vorliegenden historischen Pläne bevorzugt alte Bäume fällt, um den Park auf die vermeintlichen Sckell`schen Ideen zurückzuführen.

    Umstritten ist hierbei besonders die "Rückführung" der Königlichen Ziergärten, welche die Entfernung von Rosengärten und Magnolienbäumen sowie Springbrunnenanlagen verursachte; aber auch die Art der Bewirtschaftung der Wiesen und Wälder, in denen sich Struktur- und Artenverarmung ausbreiten.

    Die Sammlung von über 3000 Stimmen Münchner Bürger sowie die Präsenz des Themas in den Medien macht die Aktualität des Themas deutlich: Müssen (Garten-) Denkmalschutz, Naturschutz und Erholung gegeneinander stehen oder lassen sie sich sinnvoll vereinbaren? Nach Vermittlung durch den zuständigen bayerischen Finanzminister Prof. Dr. Kurt Faltlhauser erklärte sich die BSV bereit, den SCHLOSSPARK-FREUNDEN-NYMPHENBURG E.V. einen Teil des Parks zur alternativen Bewirtschaftung zu überlassen.
    Dieser "Vergleichsfläche" widmet sich das vorliegende Konzept in erster Linie. Es möchte einen Weg aufzeigen, den Ansprüchen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, der Ökologie und der Natur sowie der Wünsche der Bürger langfristig gerecht zu werden. (Die Literatur bezeichnet diesen Ansatz allgemein als Parkpflegewerk.)

    Im Pflegekonzept werden auch ungewöhnliche Maßnahmen vorgeschlagen, deren Akzeptanz sicher nur in gemeinsamer Arbeit erreicht werden kann, deren umfassende Wirkung erst nach Übertragung auf den gesamten Park überprüft werden kann. Darüber hinaus liegt es in der Natürlichkeit der Bäume und Wälder, dass dieses Ziel nicht so schnell erreicht werden kann, wie etwa die geänderte Verbauung des südlichen Kanals oder die Anregungen zum Erhalt der Wiesen. Dennoch lässt sich bei Umsetzung des Pflegekonzeptes eine zeitnah sichtbare Wirkung erwarten, die den Ansprüchen und vorausgesetzten Geschicklichkeiten des Friedrich Ludwig von Sckell gerecht werden können. Die Bedeutung des Schlossparkes Nymphenburg wird damit auch für die Zukunft bewahrt.