Schlosspark-Freunde-Nymphenburg e.V.

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    "Solch ein Parkpflegeplan mit Bestandsbuch und die Sammlung der Arbeitsaufträge sind die Voraussetzung für eine kontinuierliche Pflege und somit Sicherung der Beständigkeit eines Parkes."

    CHRISTIAN BAUER, 1972

     

    Phasenmodell
  • ENTWURF EINER KONZEPTIONSGRUNDLAGE:
    NACHHALTIGE PARKPFLEGE

    Bewertung und Konfliktanalyse haben die verschiedenen Ansprüche an den Schlosspark verdeutlicht, ohne diese gegeneinander aufwiegen zu wollen. Die Konzeptionsgrundlage will das beschriebene Potential gleichwertig behandeln, für die Vergleichsfläche eine Lösungsmöglichkeit. Die Situation auf der Vergleichsfläche ähnelt der des gesamten Schlossparkes Nymphenburg. Abgesehen von einigen Randpartien und Sonderflächen fällt neben wenigen erhaltenen Altbäumen und entsprechend geringem Totholzanteil die vitale Dominanz der 40 bis 60jährigen Eschen-Ahorn-Bestände mit einigen Linden, wenigen sonstigen Laubholzarten und geringem Unterstand auf.

    Die Dynamik des Waldwachstums erfordert ein entsprechend dynamisches waldbauliches Konzept. Dieses hat natürlich kein wirtschaftliches Ziel. Neben dem absoluten Baumschutz der Altbäume und Mischbaumarten (Linde, Eiche, Kirsche) sowie der Sonderformen soll der Grundsatz "Schützen, Pflegen, Entwickeln" mit einem dynamischen Phasenmodell verwirklicht werden.Im Zuge des Phasenmodells der Nachhaltigen Parkpflege werden die Waldbestände (gegebenenfalls zusammengefasst und) in vier Phasen eingeteilt. Diese Phasen orientieren sich grundsätzlich unabhängig von Alter und Baumart an den speziellen definierten Zielen des Bestandes und werden in einer Karte dargestellt:

    In der Aufbauphase (25/rot) sind die definierten Ziele erst zu einem Viertel erreicht. In der Entwicklungsphase (50/blau) sind die Ziele zur Hälfte erreicht. In der Pflegephase (75/grün) sind die Ziele zu drei Viertel erreicht. Die Sonderflächen (grau) schließlich bestehen beispielsweise aus Hainen, Pflanzgruppen, Schönheitslinien/Waldrändern und werden von den drei erstgenannten Phasen ergänzt.
       
    Das Phasenmodell der Nachhaltigen Parkpflege unterstützt die Dynamik der Wachstumsprozesse im Wald, will gegebenenfalls (analog Sckell) behutsam und stetig (damit nachhaltig) ergänzen, schützen und erhalten (Baumpflege und -chirurgie). Es setzt durchaus Akzente (Regulierung der Mischbaumarten und -sträucher, Unterholz, Waldränder, Erhaltung und Schaffung liegenden und stehenden Totholzes) und kann grundsätzlich auch auf andere Parkbereiche (nicht nur Wald) übertragen werden. Vielfalt und Differenziertheit, Skurrilität und Schönheit sollen gefördert werden.

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    Aufbau
     
    Entwicklung
     
    Pflege
     
    Hain
  • UMSETZUNG DER MASSNAHMEN

    Die unbefriedigende gartenhistorische Situation, Fehlentwicklungen in Verjüngung und Pflege der Waldbestände und Wiesen sowie die vernachlässigte ökologische Entwicklung lassen die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Umsetzung erkennen. Hinzu kommen Wünsche und Ansprüche der interessierten Öffentlichkeit, der Anwohner und Erholungssuchenden sowie der politischen Mandatsträger. Die Maßnahmen sind entsprechend der Zielstellung zeitnah zu beginnen beziehungsweise durchzuführen.

    Mit der Konzeptionsgrundlage der Nachhaltigen Parkpflege wird die waldbauliche Behandlung der Vergleichsfläche festgelegt. Die Maßnahmen haben verschiedene Schwerpunkte und werden nach der Festlegung der Einzelarbeiten im Bestand überwiegend manuell durchgeführt.Vorläufiges Ziel ist ein befriedigender Zustand, der der Pflegephase entspricht. Damit sind die Ziele zu drei Viertel erreicht.

    AUFBAUPHASE
    In der Aufbauphase sind die definierten Ziele zu einem Viertel erfüllt. Die Baumartenzusammensetzung muss reguliert, ergänzt und gefördert werden, um ein mosaikartiges Nebeneinander und Stufigkeit zu erreichen. Naturverjüngung von Buche, Kirsche, Hainbuche, Linde und Eiche sowie anderen Mischbaumarten wird gefördert, Ergänzungspflanzungen finden an geeigneten Stellen mit Baum- und Straucharten statt. Nötigenfalls wird die Eschen- und Ahornnaturverjüngung zurückgenommen, jüngere geeignete Linden werden auf den Stock gesetzt. Alle alten und skurrilen Bäume bleiben erhalten und werden gefördert. Die Waldränder orientieren sich an der Schönheitslinie und werden nach der Wegesanierung entsprechend durchgesetzt. Hierfür findet bestandesnahes Ausmähen, Pflanzung von Sträuchern und Verjüngung der vorhandenen Baum- und Straucharten (auch Lindenstockausschläge) statt.

    ENTWICKLUNGSPHASE
    In der Entwicklungsphase sind die definierten Ziele zur Hälfte erfüllt. Es findet eine abschließende Regulierung der Mischbaumarten statt. Besonders Kirsche und Eiche werden gefördert, Esche und Ahorn nötigenfalls zurückgedrängt. Um hier Bestandesstabilität und Stufigkeit zu erhalten und den Totholzanteil zu erhöhen, werden geeignete Bäume versuchsweise geringelt: diese bleiben im Wachstum voraussichtlich zurück, die Nachbarn werden gefördert. An geeigneten Stellen wird eine Unterschicht mit wirkungsvoll blühenden oder fruchtenden einheimischen Straucharten (z.B. Vogelkirsche, Weiß- und Rotdorn) akzentuiert eingebracht. Die Waldränder werden regelmäßig an der Schönheitslinie bestandesnah ausgemäht und durch Pflanzung von Sträuchern und Verjüngung der vorhandenen Baum- und Straucharten (auch Lindenstockausschläge) gepflegt. Alle alten und skurrilen Bäume bleiben erhalten und werden gefördert beziehungsweise erhalten.

    PFLEGEPHASE
    In der Pflegephase sind die definierten Ziele zu drei Viertel erreicht. Die Baumartenzusammensetzung entspricht mit Eiche, Linde, Buche, Hainbuche etwa der natürlichen Waldgesellschaft, besondere Mischbaumarten (besonders Kirsche) können sich behaupten und werden weiter gefördert. Das stufige Nebeneinander erlaubt Naturverjüngung zur Verdichtung der unteren Waldschichten, an geeigneten Stellen wird eine Unterschicht aus Straucharten akzentuiert eingebracht.Die Waldränder sind durch bestandesnahes Ausmähen und nötigenfalls Verjüngungsschnitt laufend zu pflegen und in der Schönheitslinie zu halten, Ergänzungen werden eingepflanzt. An Altbäumen und skurrilen Bäumen finden baumerhaltende Maßnahmen statt, im Wegebereich zusätzlich aufgrund der Verkehrssicherungspflicht. Der stehende und liegende Totholzanteil wird im maximalen Bereich gehalten.

    SONDERFLÄCHEN
    Friedrich Ludwig von Sckell hat in seinem Gartenkunstwerk besondere Akzente vorgesehen. Hierzu gehören neben der Schönheitslinie im Übergang von Wald zu Wiese beziehungsweise Weg besondere Pflanzungen oder Ausformungen: Haine, Pflanzformationen (Lindenverbund, Eichen- bzw. Pappelkarree), strukturierende Pflanzungen (Lärchengruppen) und Geländemodellierungen. Nicht immer lassen sich heute die Sckell`schen Akzente nachweisen und es stellt sich teilweise die Frage, ob sie überhaupt je vorhanden waren oder nur im Entwurf bestanden. Dies ist im Bestand zu überprüfen und zielgemäß werden die Sonderflächen erhalten und gepflegt.

    WALDÄHNLICHE SONDERFLÄCHEN wie die Haine werden entsprechend der Pflegephase behandelt. Lediglich Förderung der Strauchschicht und Unterpflanzung mit Straucharten finden nicht statt. An geeigneten Stellen oder infolge natürlichen Abganges oder Sturm entstandenen Lücken werden Eiche, Linde, Buche, Hainbuche, Kirsche gefördert beziehungsweise nachgepflanzt.

    Die Akzentuierung durch STRUKTURIERENDE PFLANZUNGEN von Baumartengruppen (besonders Lärche) sollte dagegen bereits frühzeitig ergänzt werden. In direkter Nachbarschaft werden zeitnah Ersatzbäume gepflanzt, die einige Jahrzehnte parallel stehen und dann die gestalterische Wirkung der abgehenden Altbäume übernehmen können.

    GELÄNDEMODELLIERUNGEN gehören neben den Wasserflächen sicher zu den aufwendigsten Maßnahmen in der Sckell`schen Gartenkunst und kommen im Zuge der Arbeiten an der Schönheitslinie durch bestandesnahes Ausmähen wieder zum Ausdruck. Sollte darüber hinaus die Entnahme von Bäumen und Sträuchern notwendig sein, findet dies schrittweise nach vorheriger Verdichtung des Hintergrundes (Förderung der Naturverjüngung, Pflanzung von Sträuchern) statt.
     
    ÖKOLOGISCHE FÖRDERUNG
    Um dem besonderen ökologischen Wert des Schloßparkes als Einzelbiotop sowie als Trittstein des Netzes Natura 2000 gerecht zu werden, wird grundsätzlich eine möglichst hohe biologische Diversität angestrebt. Hierzu dient ein möglichst hoher Anteil stehenden und liegenden Totholzes. Biotopbäume und Totholzbäume bleiben erhalten, ebenso bizarre und landschaftlich reizvolle Bäume. Die Erfassung und Dokumentation dieser Bäume sowie solcher mit Faulstellen, Konsolenbäume und Horstbäume ist anzustreben. Im wegnahen Bereich sind diese Bäume zu pflegen und durch baumerhaltende Maßnahmen in jedem Fall zu erhalten.

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    "Historische Parks und Gärten sind ein geistiger, kultureller, ökologischer und gesellschaftlicher Besitz von unersetzlichem Wert."

    DTSCH NATIONALKOMITEE FÜR DENKMALSCHUTZ, 1996

     

  • ZUKUNFT AM SCHLUSS

    Der Garten-Aktions-Künstler Friedrich Ludwig von Sckell behielt sich im Schlosspark Nymphenburg eine Re-Aktion auf die dynamische Entwicklung der Natur vor, ohne sein gestalterisches Ziel vielfältiger Raumwirkung aus den Augen zu verlieren. Die Schwierigkeit der Pflege seines naturnahen Landschaftsparks war Sckell bewusst und trotz einiger Fehlentwicklungen hat sich der Schlosspark Nymphenburg als Gesamtkunstwerk bis heute erhalten.

    Dieses Kunstwerk zu bewahren bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Denkmalschutz, Naturschutz und Öffentlichkeit, von Verwaltungen und Bürgern.
    Das Phasenmodell der Nachhaltigen Parkpflege will eine Basis für die nachhaltige Entwicklung des Schlossparks Nymphenburg schaffen.
    Dem Schlosspark Nymphenburg obliegen gerade in gesellschaftlicher und ökologischer Sicht umfangreiche und differenzierte Aufgaben, für die der Park stetig und behutsam zu schützen, pflegen und entwickeln ist.