Schlosspark-Freunde-Nymphenburg e.V.

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    "So nähern sich dann beide,
    Natur und Kunst, diese
    im auffallendsten Widerspruch
    stehenden Charactere und
    vereinigen sich durch dieses wechselseitige
    nachgiebige Bestreben zu einem,
    wo nicht harmonischen,
    so doch sehr erträglichen Übergang"

    FRIEDRICH LUDWIG VON SCKELL, 1818

    "Sckells Meisterschaft aber zeigt sich
    in den kaum merkbaren,
    niemals abrupt wirkenden
    Übergängen und in der prägnanten
    Struktur des Gartens."

    VOLKER HANNWACKER, 1992

  • HISTORISCHE SITUATION

    Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Bayern beauftragte Friedrich Ludwig Sckell am 7. Juli 1801 "dass zwar der mittlere Teil des regulären Lustgartens nach seinen Anlagen belassen bleiben, die Seiten Parthien aber, bei Amalien-, Baden- und Pagodenburg in natürliche Gartenparthien umzuschaffen" seien. Zumindest einer der beiden vorliegenden Gesamtpläne lässt sich zweifelsfrei Sckell zuschreiben und kann - neben anderen Detailplänen und Quellen - als Grundlage für die gartenhistorische Betrachtung bzw. Rekonstruktion dienen.

    Friedrich Ludwig Sckell ging bei der Umgestaltung des Nymphenburger Parks im wahrsten Sinne schrittweise vor. Die im größeren Südteil gemachten Erfahrungen dienten ab 1811 den Arbeiten im Nordteil - in dem sich auch die Vergleichsfläche befindet. Bereits am 22. Oktober 1814 berichtet Sckell, dass "die neue Anlage bei Pagodenburg ihrer Vollendung nahe" sei - damit die Arbeiten an der Umgestaltung des Nymphenburger Schlossparks zu einem Landschaftspark abgeschlossen sind. Sckell hat mit dieser Umgestaltung eine einzigartige Verknüpfung zwischen alter formaler und neuer landschaftlicher Gartenkunst erreicht. Die Übergänge sind zwar zwangsläufig vorhanden, dem gehenden Besucher aber und selbst bei Betrachtung der Pläne nicht unangenehm sichtbar.

    Diese Kunst des harmonischen, dabei durchaus kontrastreichen Überganges verfolgt Sckell auch in den Waldpartien, ebenso in der Vergleichsfläche.

     

  • Historischer Plan von 1772
    Historischer Plan von 1801-04
    Historischer Plan von 1801-04
    Historischer Plan von 1820
    Historischer Plan von 1832

    "Alles erscheint Natur,
    so glücklich ist 
    die Kunst versteckt."

    CHRISTIAN C. L. HIRSCHFELDT, 1782

  • Den mit seinen vorhandenen Baum- und Straucharten relativ natürlichen Wald ließ er mit einheimischen Arten wirkungsvoll unterstützend unterpflanzen und ergänzen. Lichte Partien sollten mit dunklen abwechseln, geschlossener Wald und ein Hain finden sich in der Vergleichsfläche, dazu die "Schönheitslinie" im Übergang von Wald zu Wiese. Das Sckell`sche Ideal ist an beiden Gesamtplänen gut nachvollziehbar - ebenso aber auch die Veränderungen und Unterschiede der Pläne: Offensichtlich hat sich Sckell zwischen den Versionen 1801/04 und 1820 den natürlichen Entwicklungen angepasst.

    Deutlich wird dies auch bei Betrachtung der heutigen Vergleichsfläche. Der erste Gesamtplan 1801/04 zeigt einen Bestand mit lichten Partien, deren Waldinnensäume sich an den ehemaligen Achsen des Patte d`oie orientieren. Diese sind nach 15 Jahren im Bereich der neuen Wege akzentuiert zugepflanzt, besonders im Süden aber offensichtlich bereits zugewachsen. Die Dynamik des natürlichen Waldes einarbeitend, stellt Sckell 1820 einen geschlossenen Waldbestand dar, der nun lediglich von zwei gekrümmten schmalen Lichtungen durchzogen wird.

    Hieraus ließe sich schließen, dass der erste Gesamtplan 1801/04 noch eine theoretische Planung war, der zweite (eindeutig Sckell`sche) Gesamtplan hingegen die Situation 1820, den status quo, festhält. Ohne über weitere mögliche Reaktionen Sckells auf die Natur spekulieren zu wollen und zu können (da von seiner Hand keine weiteren Pläne vorliegen), muss festgehalten werden, dass sich der Gartenkünstler eine Entwicklung der Strukturen seiner Gesamtplanung zumindest vorbehalten hat. Entsprechend könnten Plan-Details auch als (gestalterische) Versuche angesehen werden, deren Sinn sich noch erweisen sollte. Dies entspricht sicher auch dem künstlerischen Naturell Sckells, ein Werk zu "erschaffen" - und Details mit dem Recht des Gestaltenden wieder zu verwerfen.

     

    Die Reaktion Sckells auf die Entwicklung des Waldes wird bei Vergleich beider Pläne auch an den Schönheitslinien zwischen Wald und Wiese bzw. Weg deutlich. Damit aber auch Sckells Gespür für die Dynamik des Waldes und seine maßvolle Reaktion. Ziel war ein abwechslungsreiches, gleichzeitig harmonisches Bild, dass sich bestenfalls selbst einstellte, aber durchaus der Unterstützung bedarf.

    So entsteht ein sehr naturnaher, in Licht und Schatten, Arten, Alter, Dicke-, höhen- und schichtendifferenzierter Wald.

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  • LAGE, WALDGESELLSCHAFT,
    BESTANDESAUFNAHME UND BESCHREIBUNG

    LAGE UND VEGETATION

    Der Schlosspark Nymphenburg liegt auf der Münchner Schotterebene im Wuchsgebiet der Schwäbisch-Bayerische Schotterplatten- und Altmoränenlandschaft. Das Klima ist wegen des fehlenden ausgeprägten Sommermaximums für das Waldwachstum nicht günstig. Die üblichen gewittrigen Starkregen finden nur vereinzelt statt, sodass in der Vegetationsperiode Niederschläge unter 300 mm erreicht werden. Zusätzlich führt die starke Drainierung der würmeiszeitlichen Schottermassen zu jungen und flachgründigen, relativ nährstoffarmen Bodenbildungen.Zur natürlichen Bestockung gehören Stieleiche und Buche, die sich in subkontinentalen (Labkraut-) Eichen-Hainbuchenwald vergesellschaften und weiter im Norden der Schotterebene in Schwarzerlen- und eschenreiche Auwälder übergehen. Zur regionalen natürlichen Waldgesellschaft ist die Ausbildung der äußerst seltenen Lohwälder zu zählen, die sich im Schlosspark Nymphenburg in Relikten nachweisen lassen.

    WALDENTWICKLUNG

    Von der natürlichen Waldgesellschaft hat sich im Schlosspark Nymphenburg noch relativ viel erhalten. Dies ist der "Beruhigung" durch Nutzung des Waldes als königliches Jagdgebiet - das sich bis zum Starnberger See erstreckte - und des nachfolgenden "Schutzes" durch den Schlosspark zu verdanken. Intensivste ungeregelte Beweidung und Streunutzung fanden im Gegensatz zu umliegendem Forstenrieder, Hofholdinger und Ebersberger Park nicht statt. Dennoch muss der Schlosspark einen unbefriedigenden Eindruck erweckt haben, konnte er sich doch der im 18. und 19. Jahrhundert üblichen Gepflogenheit, die devastierten Laubwälder in Nadelholzwälder umzuwandeln, nicht völlig entziehen. Offensichtlich wurde auch die Vergleichsfläche zum Teil mit Fichte aufgeforstet, die sich allerdings (wegen Windwurfs und weil sie nur eine Generation vorhanden war) kaum durchsetzen.

    BESTANDESAUSWEISUNG

    Aus den Planungen Sckells (Gesamtplan 1820), der Bestandesgeschichte und der Situation vor Ort (Bestandesstruktur, Luftbildauswertung) wird die Differenziertheit des auf dem ersten Blick geschlossenen Waldes der Vergleichsfläche deutlich.Obwohl sich eine entsprechend differenzierte Gliederung der Fläche in kleinere Einheiten anbietet, wird hier darauf verzichtet. So kann sich das Pflegekonzept auf die zu planenden Maßnahmen konzentrieren. Erst in der Umsetzungsplanung findet eine Ausweisung kleinerer Flächeneinheiten statt, die später zusammengeführt werden sollen.

    BESTANDESBESCHREIBUNG

    Der großteils geschlossene und einschichtige Eichen-Hainbuchen-Lindenbestand ist 40 bis 160 Jahre alt. Im Hain sowie am Ost- und Westrand befinden sich die älteren Partien, im Inneren und zum Kanal hin die jüngeren. Die bereits 1985 umfassend erstellte Baumartenzusammensetzung trifft noch heute zu. Diese entspricht etwa der natürlichen Waldgesellschaft der Münchner Schotterebene. Hervorzuheben sind einzelne Altbäume von Kirsche, Buche und Esche sowie das Unterlaufen des Bestandes mit Esche. Gerade im Bereich des Hains finden sich hervorragende Altbäume (Hainbuche, Eiche, Linde), ebenso die Lärchengruppe im Nordosten. Liegende oder gar stehende Biotopbäume und Totholz finden sich nur in geringem Umfang, kaum vorhanden sind skurrile Bäume.Sturmbedingt haben sich wenige Lücken mit anlaufender Naturverjüngung insbesondere aus Esche eingestellt. Der Bestand ist größtenteils einstufig und entweder mit den typischen Hainbaumarten (Eiche, Linde, Hainbuche, Buche); oder im jüngeren Bereich zunehmend unter Dominanz der Eschen bestockt. Die Ränder der Fläche haben großteils den Charakter von Waldinnenrändern, die Einnischung von Bäumen zweiter und dritter Ordnung sowie Straucharten tritt zurück.