Aktuelles2020-04-29T15:15:40+00:00

AKTUELLES

HOCHFLIEGENDE PLÄNE ODER EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN: PPH

Wir werden immer wieder gefragt, was wir denn eigentlich von den Plänen rund um die ehemalige Paketposthalle halten. Wie oft bei vergleichbaren Fragen schaut ein Verein dann einfach in seine Satzung, um auf deren Basis überhaupt erst mal eine Meinung deklarieren zu können. Bei uns finden wir dann eine "Aufgabe in der Förderung der Pflege und Erhaltung des Nymphenburger Schloßparks im Sinne des Denkmalschutzgesetzes". Ein enger Bezug besteht auch in der "behutsamen kulturellen Wiederbelebung des Nymphenburger Schloß­parks und seines Umfeldes (...) und den angrenzenden Stadtteilen". Auf dieser Basis und angesichts des mahnenden "uptown München"-"Vierkantbolzens", so der Münchner Alt-OB Georg Kronawitter,  haben wir uns bereits 2004 mit der "Initiative-Unser-München" zusammen getan. Spitzenarchitekten sprachen damals von "importierter Imitationsarchitektur" (Prof. Rolf Kücker), von "gesichtloser Meterware" (Stephan Braunfels), von "renommiersüchtiger Überdimensionierung" (Prof. Dr. Gerd Albers). Vor dem Schloss haben wir Seite an Seite mit Timo Walz (Retter des Schatzes der Wittelsbacher) und Alexander von Branca die letzten erforderlichen Unterschriften gesammelt, um noch sieben weitere Türme mit Höhen bis zu 148 Metern zu verhindern. Eine Baustelle war am Birketweg, damit sichtbar vom Schloss, aus dem Ehrenhof und aus dem Park. Ohne in die eigentliche Hochhaus-Diskussion in München einsteigen zu wollen, stellen wir uns - wiederum Seite an Seite mit gesellschaftlichen Partnern, hier etwa der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen - gegen eine Hochhaus-Kulisse, die den umfassenden und einzigartigen Wert des Schlosses und des Schlossparks Nymphenburg in der Landeshauptstadt München beeinflussen könnte.    

STELLUNGNAHME ZU DEN PLANUNGEN PAKETPOSTHALLE 12. MAI 2021

Die Schlosspark-Freunde-Nymphenburg e.V. sprechen sich auf der Basis ihrer Satzung gegen eine Kulisse von Gebäuden oder Hochhäusern aus, die den umfassenden und einzigartigen Wert des Schlosses und des Schlossparks Nymphenburg beeinträchtigen könnte. Das Gesamtkunstwerk Nymphenburg unterliegt dem Denkmalschutz und der Gartendenkmalpflege. Dieses europa- und weltweit bekannte hochwertige Kulturensemble muss auch bei den Planungen rund um die ehemalige Paketposthalle PPH hinsichtlich aller möglicher Einflüsse und Auswirkungen auf Schloss und Park berücksichtigt werden. Die Baukörper dürfen keine Beeinflussung des Ensembles Nymphenburg darstellen und daher nach aktuellen Modellen nicht über 55 Meter hoch sein. Sie sollten nach den Grundsätzen der Stimmigkeit und Ästhetik, der Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit und der Verhältnismäßigkeit von Ökonomie und Ökologie geplant werden. Hier finden Sie unsere Stellungnahme: PPH Stellungnahme 210512

KULISSE UND RAUMWIRKUNG NYMPHENBURGS

Ein Schlosspark-Freund schreibt: „Die optische Wirkung der geplanten Hochhäuser darf nicht unterschätzt werden. Architekturpsychologie und Semiotik lehren, dass Dimensionen und Proportionen, Abstände und Räume, Formen und Zeichen mehr als Worte sprechen können. Sie können an- und aufregen, beruhigen und bedrängen, gesund und krank machen. Höhe und Größe überzeugen nicht nur, sie überragen und unterdrücken auch. Die geplanten überdimensionierten Zwillingstürme scheinen visuell und nonverbal zu protzen und zu prahlen: Sie überhöhen und überspitzen, sie übertölpeln und übertünchen nicht nur die des Wahrzeichens Münchens (Frauenkirche), sondern auch die Nymphenburgs (Christkönigskirche), ja, sie dominieren und düpieren Schloss und Park! Sie werden und wollen – noch vor der Ästhetik dieses wohl proportionierten Ensembles – wahrgenommen werden und den Blick auf sich ziehen! Mehr noch: Sie provozieren und gemahnen an gereckte Zeige- und Mittelfinger (mit all` ihren Deutungsmöglichkeiten), im kuriosen Duett sogar an das „Victory“-Zeichen. Diese Türme wären keine „Ergänzung“, sondern eine Bedrohung der andernorts angehimmelten Silhouette der Stadt München. Sollte also der vorliegende Entwurf gewinnen, unterlägen die Aura und das Ambiente von Schloss und Park. Deren stimmige, dezente und ästhetische Atmosphäre lieben alle Münchner, ganz Amerika und halb Asien – wo es Hochhäuser wie Bäume im Wald gibt! Die Schlossparkfreunde aus aller Welt wollen keine Kulisse bilden, sondern die Bühne bewahren! Wir brauchen keine Hochstapelei, viel eher Lichte und Weite, den Überblick und den Ausblick!“ Dr. Walter Schürer ist langjähriger Schlosspark-Freund und auch Beirat unseres Vereins. Sie finden weitere Beiträge zum Thema auch beim Münchner Forum.

CORONA IM SCHLOSSPARK

ist auch eine besondere Zeit, wie jeder merkt, weil jeder einfach einmal raus mag und möchte und muss und dann oft und gern in den Nymphenburger Schlosspark. Der ist ein Gartenkunstwerk,. also keine "Grünfläche", und der muss auch entsprechend gesehen, geachtet und benutzt werden. Also meinen wir, dass trotz und mit allen pandemischen Gepflogenheiten gelten muss: Räder bleiben draußen, Roller bleiben draußen, Hunde müssen an die Leine, die Wege sind Wege. Und eigentlich erkennt jeder verständige Mensch, was ein Trampelpfad ist, der nun nicht auch noch ausgebrannt werden muss zum "fast-user-trail". Wussten Sie eigentlich, dass jeder dieser Wege vor nun 200 Jahren genau geplant und ausgearbeitet wurde? Mit seiner Linie, in seiner Breite, mit seinem Ziel (vielleicht auch einmal keins) und den überraschenden Blickachsen. Natürlich alles von Hand, mit Spaten, Schaufel und Schubkarren. Dies alles kann man auch "überrennen" und damit zerstören. Im Schlosspark gibt es Parkaufseher, falls Sie Fragen haben. Diese Aufseher brauchen aber auch unser aller Unterstützung bei der Erklärung des schönen Schlossparks und seiner Besonderheiten, die es auch besonders zu beachten gilt. Rücksicht auf die anderen (den Schlosspark, die Besucher, die Pflanzenwelt, die Tierwelt) - und los gehts - Genuss pur.

IST DER SCHLOSSPARK NOCH ZU RETTEN?

Die Anforderungen an den Nymphen­burger Schlosspark sind vielfältig: der große geschlossene Land­schafts­raum dient dem Schutz der Natur und dem Denkmalschutz. Er ist eine grüne Lunge Münchens und wird von Millionen Besuchern geschätzt. Die Ansprüche steigen. Besonders wenn er als reines "Naherholungs­gebiet", "Sport- oder Freizeitfläche" gesehen wird. Um die Ideen des Garten­künstlers Sckell auch gegen jeden Mainstream zu erhalten, muss auch die Gesell­schaft Zugeständnisse machen: die Wiesen nicht betreten und schützen, die Wege beachten und erhalten. Sonst stehen wir berühmt "postfaktisch" da: So müssen die im Schlosspark - naturgemäß - immer selteneren alten Bäume erhalten bleiben. Auch wenn dies der Biber anders sieht. Auch wenn die Verkehrs­sicherungs­pflicht Fragen aufwirft. Wie wir mit unserem Konzept einer Nach­haltigen Parkpflege zeigen, müssen für die Entwicklung der Bäume, Bestände und der historischen Situationen verbindliche Aussagen auch zu den Wünschen der Parkbesucher gefasst werden. Nur dann bleibt uns ein struktur­reicher, differenzierter Land­schafts­­park, dessen beein­druckende Schönheit von den beein­druckend alten Bäumen lebt.

NATURA 2000 – VON BRÜSSEL NACH NYMPHENBURG

Der Nymphenburger Schlosspark gehört zu einem „Natura 2000-Gebiet“. Hier wird die Natur besonders geschützt, und zwar als Ergebnis eines Abkommens mit der Europäischen Union. Das europäische Biotopverbundsystem Natura 2000 zielt darauf ab, für die Naturräume charakteristische Lebensraumtypen und Arten durch eine gezielte Beplanung langfristig zu erhalten. Im 183 ha großen FFH-Gebiet 7834-301 gilt ein „Verschlechterungsverbot“. Der Zustand der Flächen darf also nicht „verschlechtert“ werden. Bewirtschaftung und Pflege dürfen stattfinden. Im Kern gibt es diesen Schutz mit der „Vogel-Schutz-Richtlinie“ und der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ schon seit 25 Jahren – aber niemand weiß davon.  Dabei gilt dies auch mitten im Schloßpark Nymphenburg.

Parkbaden in Nymphenburg – ein Versuch

Vom Waldbaden hört man in den letzten Jahren öfter und reibt sich bisweilen verwundert die Augen. Nun geht es ums „Parkbaden“ im Nymphenburger Schlosspark, oder zumindest dem Versuch, eine japanische Lebensweise in den Kulturraum der Großstadt zu übertragen. „Shinrin-Yoku ist die japanische Bezeichnung für Waldbaden und eigentlich nichts anderes, als den Wald mit allen Sinnen zu erleben. Ihn zu riechen, Vögel zu hören, Tiere zu sehen und Bäume auch anzufassen. Mal achtsam sein, seiner Intuition zu folgen und die Abwesenheit vom Alltag zu zelebrieren.“ Und das geht natürlich auch im Nymphenburger Schlosspark. In Japan ist Waldbaden übrigens schon seit Längerem eine staatlich geförderte Maßnahme zur präventiven Förderung der Gesundheit. Ob uns dies auch in Bayern gelingt, mag nach diesem Versuch und einem Spaziergang durch den Schlosspark jeder selbst beurteilen. Treffpunkt am 9.08.2019 um 16.oo Uhr am Schloss, Mittelbau, Freitreppe Gartenseite.

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